Die EXPO '70 in Osaka

Es war die erste Asiatische Weltausstellung überhaupt. Es war die erste Japanische Weltausstellung überhaupt: Die EXPO '70 in Osaka.
Vom 15. März bis zum 13. September 1970 konnten Besucherinnen und Besucher hier einen Blick in die Zukunft erhalten. Dabei gab es viele Neuerungen und Premieren. Was diese Weltausstellung sonst noch einmalig gemacht hat, erfahrt ihr hier.

Alle guten Dinge sind Drei…

Die Planungen für eine Japanische Weltausstellung gehen zurück bis in das Jahr 1912. Aufgrund des Todes von Kaiser Meji und dem Ersten Weltkrieg kam es aber nie zu einer Ausrichtung. Auch die für 1940 geplante Weltausstellung musste aufgrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges abgebrochen werden. Erst 1963 begann man erneut mit Planungen für eine Weltausstellung auf japanischem Boden.
Dieser dritte Versuch zur Ausrichtung einer Weltausstellung wurde im Mai 1965 beim B.I.E. offiziell registriert. Nicht nur die zwei vergeblichen Anläufe, sondern vor allem der rasante wirtschaftliche Aufstieg Japans nach dem Ende des Krieges, sowie die erfolgreiche Ausrichtung der Olympischen Spielen 1964 in Tokio hatten zu dieser Entscheidung beigetragen.
Am 14. März 1970 erfolgte dann die Eröffnung der EXPO '70 durch den Kaiser und die Kaiserin von Japan.

 

Die Gastgeberstadt und das Gelände

Als Gastgeberstadt wählte man Osaka aus, welches zur damaligen Zeit die zweitgrößte Stadt Japans war. Die Hügel um Senri, einer kleineren Satellitenstadt etwa 15 Kilometer nördlich von Osaka, wurden zum Gelände der Ausstellung bestimmt. Bereits im Oktober 1966 legten Kenzo Tange, Uzo Nishiyama und Kazumi Iinuma den Masterplan für das Gelände vor. Für die Errichtung des Ausstellungsgeländes wurde in der Folge ein Komitee unter der Leitung von Shigeru Ito eingesetzt. Im Januar 1968 lagen dann die endgültigen Konstruktionspläne vor.

Die Planungen für die Weltausstellung beschränkten sich aber nicht ausschließlich auf das Ausstellungsgelände. Die Veränderungen von Osaka selbst sollten zum Beispiel werden für die Verbesserung von Lebensbedingungen. Während die Industrie weitgehend aus der Stadt verbannt wurde, sollten mit Alleen und größeren Parkanlagen am Fluss Oasen innerhalb der Stadt geschaffen werden. Durch gezielte Umweltschutzmaßnahmen, wie Klärwerke und Filtersysteme, konnte die Wasser- und Luftverschmutzung um ein Wesentliches reduziert werden.

Auch wurden im Zuge der Vorbereitung der EXPO einige längerfristig geplante Veränderungen im Bereich des Transportwesens umgesetzt. So wurde bis zur Eröffnung der EXPO '70 die Errichtung eines hochmodernen Flughafens und der Ausbau der Untergrundbahn realisiert. Die "Shin-Mido-Suji"-Schnellstraße und eine zwischen deren Fahrspuren verlaufende Eisenbahnlinie verbanden das Zentrum von Osaka mit dem EXPO-Gelände. Um den Verkehr besser koordinieren zu können, wurde ein damals neuartiges Computersystem eingeführt. Ein hochmodernes Telekommunikationsnetz, Nachrichtenübermittlung mit Laserstrahlen und der Einsatz von über 100 Computern stellten so die elektronische Innovationskraft Japans eindeutig unter Beweis.

Aber auch gegen die wachsende Bevölkerungsdichte innerhalb der Stadt wollte man ein Konzept entwickeln. So entstand von 1963 bis 1969 die künstliche Stadt Suita mit einem architektonischen Konzept, das die Erhaltung von Grünanlagen bei einer gleichzeitigen Verdichtung der Wohnfläche ermöglichte.

 

Das Thema der EXPO '70

Bei der "Premieren"-Weltausstellung im Jahr 1970 sollte der technologische Fortschritt nicht mehr nur gefeiert, sondern auch kritisch beleuchtet werden. So lautete des Motto der Weltausstellung "Progress and Harmony for Mankind" (übersetzt so viel wie 'Fortschritt und Harmonie für die Menschheit'). Mit der Wahl des Mottos bezog man sich auf die gesellschaftlich negativen Folgen der Industrialisierung, auf den Zweiten Weltkrieg als Beispiel für destruktiven Einsatz wissenschaftlicher Erkenntnisse und auf die kontinuierliche Umweltzerstörung durch die Technologisierung des Alltags. Moderne Entwicklungen sollte dabei nicht als Grundlage des ökonomischen oder politischen Wettstreits dienen, sondern vielmehr als Möglichkeit verstanden werden, um die Lebensqualität aller Menschen zu verbessern und damit die Grundlage für Frieden in der ganzen Welt zu schaffen.

Diese Absicht spiegelte sich auch im Logo wider. Takeshi Ohtaka entwarf "als Zeichen tiefster Harmonie" eine abstrahierte Kirschblüte. Die fünf Blütenblätter stehen dabei für die fünf Kontinente, welche sich um das Zentrum der Blüte, das heißt um Japan "als Ort der Zusammenkunft", reihen. Die weiße Zone um den Mittelpunkt, die durch gleichmäßige Gruppierung der Kreise entsteht, symbolisiert "den gemeinschaftlichen Raum des Fortschritts", der durch die Zusammenkunft bei der Weltausstellung entsteht.

 

Die Pavillons

Die Herzstücke einer jeden Weltausstellung sind sicherlich die zahlreichen Länderpavillons. Die Veranstalter der EXPO baten die 77 teilnehmenden Nationen und die 15 Organisationen darum, Diskussionsbeiträge für eine "nach menschlichen Maßstäben geplante, friedliche Zukunft" zu bieten.
Vorgaben gab es dabei kaum.

Das Regelwerk der "Japan Association for the 1970 World Exposition" sah keinerlei Vorschriften für die Größe oder Höhe der Pavillons vor. Stattdessen wurde empfohlen, die Gebäude so einzigartig, farbenprächtig und ausdrucksvoll wie möglich zu gestalten, "damit die Expo-Strukturen durch ihr Flitterwerk wie ein Weihnachtsbaum geschmückt würden".

Besonders die Gebäude der großen japanischen Unternehmen reizten das technisch Machbare der damaligen Zeit enorm aus. Die neuartigen, parabelförmigen Luftbögen des Fuji-Pavillons zum Beispiel wurden von zeitgenössischen Kommentatoren mit "einem gigantischen Kaffeekannenüberzug" oder einem "knallbunten Planwagen" verglichen, während der Pavillon der Mitsui-Gruppe angeblich an "einen Riesenstaubsauger mit Schleusen" erinnerte.

Die größten ausländischen Pavillons errichteten jeweils die Sowjetunion und die USA. Beiden Staaten wurde bereits vor Beginn der Arbeiten die prominentesten und größten Bauplätze zugestanden. Das amerikanische Gebäude konnte dabei eine der raren konstruktiven Neuerungen auf der EXPO '70 vorweisen, da das dünne, etwa eine Fläche von zwei Fußballfeldern überdeckende Fiberglasdach allein durch Kabelverspannungen und Luftdruck getragen. Da der größte Teil der Ausstellung mit Exponaten, wie Mondgestein, den Raumkapseln, sowie Memorabilia der Baseballgeschichte, unterirdisch präsentiert wurde, war die Gebäudestruktur aber nur aus der Luft erkennbar.

Im Gegensatz dazu setzte der sowjetische Pavillon auf eine größere Außenwirkung. Die ausführenden Architekten gestalteten den Pavillon als eine 107 Meter hohe und in den Landesfarben bemalte entfaltete Fahne, welche von Hammer und Sichel bekrönt wurde.

Großen Anklang fanden aber auch die Pavillons von Kanada und der Schweiz. Der kanadische Pavillon bestand aus vier pyramidenförmigen Baukörpern, die an ihren Seitenwänden spektakulär verspiegelt waren. Im Inneren des Gebäudes befand sich eine holzverkleidete Großbühne, die von fünf sich drehenden Großschirmen überdacht wurde. Die kanadischen Verantwortlichen investierten einen großen Teil ihres Etats in die Bühnenshows, auf die das japanische Publikum bereits im Voraus mit einem durch das Land tourenden Werbebus vorbereitet worden war.

Der von Willi Walter entworfene Schweizer Pavillon nahm hingegen das Baummotiv auf. An einer Säule wurde ein filigranes, 55 Meter breites Aluminium-Gitterwerk als "strahlende Struktur" aufgehängt, dessen 60.000 Platten "lebhaft Sonne, Himmel und Wolken spiegelten". Elektronische Musik aus verborgenen Lautsprechern schien den Baum klingen zu lassen. Während der Abend- und Nachtstunden wurden die Tonkombinationen verändert und 32.000 Lämpchen ließen den Baum erstrahlen und ihn im vorgelagerten Weiher spiegeln.

 

Das Kulturprogramm

Das Kulturprogramm der EXPO '70 bestand aus einer Vielzahl von Events und Veranstaltungen. Neben den 73 Nationentagen und den 15 "Special Days", gab es noch viele Veranstaltungen in der "Expo Hall" auf einer Wasserbühne oder auf dem Festival Plaza. Insgesamt gab es rund 2.900 Performances. Auch gab es auf dem Gelände ein Kunstmuseum, welches in wechselnden Ausstellungen Werke der damaligen Kunstszene präsentierte.

Für viele Besucher war aber sicherlich das sogenannte "Expoland" ein Highlight. Mit seinen 172,500 m² und den sechs Themenbereichen bot es einen vergnügten Ausgleich zum "Wissensprogramm" auf dem Hauptgelände.

 

Nach dem Ende der EXPO

Insgesamt besuchten circa 64,2 Millionen Menschen die Weltausstellung bis zu deren Ende am 13. September 1970.
Nach der EXPO '70 wurden die meisten Pavillons wieder abgerissen und das ehemalige Gelände wurde in einen Park umgewandelt, in dem Museen die Erinnerung an diese japanische Weltausstellung wachhalten sollten. Das Wahrzeichen aber, der sogenannte "Tower of the Sun" blieb aber bis heute erhalten. Die wesentliche Verbesserung der Infrastruktur in der Region gehört noch heute zu den bleibendsten Beiträgen der Weltausstellung.

Es sollte aber nicht bei dieser einen Weltausstellung bleiben. 2005 richtete Japan bereits seine zweite große Weltausstellung in Aichi aus und Osaka hat sich erfolgreich für die EXPO 2025 beworben.

Letzte Änderung am Montag, 17 August 2020 13:29

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