Das grüne Herz der EXPO 2000

Grünflächen und Parkanlagen sind elementare Bestandteile eines jeden EXPO-Geländes - auch wenn es meist nicht so scheint. Sie bieten den Besucherinnen und Besuchern nicht nur einen Ort zur Entspannung und zum Verweilen, sondern auch einen Platz zum Kennenlernen und Treffen. Auch auf der EXPO 2000 gab es viele Grünflächen, wie die Gärten im Wandel oder die Parkwelle. Welche Besonderheiten es da gab und was der Gedanke dahinter war, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Viele Menschen erinnern sich bestimmt noch an die vielen Parks und Plätze, die auf dem ganzen EXPO-Gelände verteilt waren. Was viele aber nicht wissen, ist, dass die Gestaltung dabei auf die Ideen von zwei Planern zurückgeht: Dieter Kienast und Kamel Louafi. Die beiden Landschaftsplaner orientierten sich bei der Gestaltung an den vom Masterplan vorgegebenen Netz aus Freiflächen, welches sich rechtwinklig wie große Finger zwischen den Ausstellungshallen und Nationenpavillons erstreckt. Dennoch verfolgten beide ganz unterschiedliche Grundgedanken. Während die Grünanlagen im westlichen Teil der Weltausstellung eher funktionalen Charakter hatten, was sicherlich auch an der späteren Nachnutzung lag, folgte der Entwurf der Grünanlagen im östlichen Teil einem völlig anderen Charakter, wie sich später noch zeigen wird.

Dieter Kienast war ein Schweizer Landschaftsarchitekt, der bereits 1998 gestorben ist, also zwei Jahre vor der Fertigstellung seiner Planungen für das westliche Grünanlagenareal. Zu seinen weiteren Projekten gehörten unter anderem die Internationale Gartenschau in Graz, sowie die Masoala-Halle im Zoo von Zürich. Die Kombination aus architektonischen und landschaftlichen Elementen, sowie die ökologischen Konzeptionen prägten die besondere Ausdruckskraft von seinen Parks und Plätzen.

Kamel Louafi ist noch heute ein weltweit bekannter Landschaftsarchitekt. Sein großer Durchbruch gelang ihm durch die Gestaltung zahlreicher Parkanlagen, wie zum Beispiel "die Gärten im Wandel".

 

Die Allee der vereinigten Bäume

Die wohl größte Freifläche auf dem westlichen Geländeteil war neben dem Messepark die "Allee der Vereinigten Bäume". Dieses grüne Band diente als Verbindung zwischen dem West- und dem Ostgelände. Bereits 1998 erfolgten die ersten Pflanzungen, damit sich die Bäume an ihren neuen Standort gewöhnen konnten. Insgesamt wurden 460 Bäume aus 273 Gattungen gepflanzt. In vier Reihen aufgestellt ergaben sie so einen Baumgarten mit 900 Metern Länge und 26 Metern Breite.

Um die Bäume mit ausreichend Nährstoffen zu versorgen, wurde ein unterirdisches Bewässerungssystem installiert. Abends und nachts wurde mit speziellen Scheinwerfern die gesamte Allee in ein stimmungsvolles Licht getaucht.

 

Von der Parkwelle zum Erdgarten

Neben der "Allee der Vereinigten Bäume" gab es auf dem Westgelände noch die "Parkwelle", sowie den "Erdgarten". Beide Parkanlagen boten während des Erkundens ganz unterschiedliche Perspektiven - zum einen auf das Gelände, zum anderen auf den Park selbst.

Die "Parkwelle" erstreckte sich zwischen den ehemaligen Nationenpavillons und den Messehallen. Auf rund drei Hektar Fläche konnte man eine Komposition aus sanften Hügeln und zahlreichen Bäumen erleben. Die höchste Erhebung der "Parkwelle" war markiert von einem kleinen Birkenwald, während ein kleiner See mit einer Insel die tiefste Stelle des Parks war. Ein Highlight war für viele Besucher sicherlich das sich im Norden befindliche Kunstprojekt "Augapfel (Haus der Tauben und Ratten)".

Der zwei Hektar "Erdgarten" ist noch heute in Teilen auf dem Gelände zu sehen. Die Parkanlage zwischen den Messehallen 14 bis 17 bestand dabei aus drei Teilen. Im Süden fanden Besucherinnen und Besucher die ideale Möglichkeit sich einmal vom EXPO-Rummel zu entspannen. Hecken aus Zierobst bildeten kleine, in sich geschlossene Räum, die jeweils unterschiedlich bepflanzt waren. Der mittlere Teil war als halbschattiger Aufenthaltsbereich gestaltet. Dazu wurden kastenförmig geschnittene Linden in einem Raster angepflanzt um das bestehende Gebäude gepflanzt. Im nördlichen Teil hingegen befanden sich riesige Graskegel, die noch heute die Messebesucherinnen und -besucher faszinieren.

 

"Alles fließt" - "Panta rhei"

Die Gestaltung der Grünflächen im östlichen Teil des Geländes war das Ergebnis eines landschaftsarchitektonischen Wettbewerbs im Jahr 1995. Aus den 55 Teilnehmern aus ganz Europa ging Kamel Louafi als Sieger hervor. Er entwickelte ein Gesamtkonzept, welches die Grünanlagen des östlichen Pavillongeländes, sowie den EXPO-Park und den Parc Agricole fließend miteinander verband. Die Grundidee Louafis war dabei der Gedanke, dass alles fließt.

So verfügen die "Gärten im Wandel" über einen einmaligen Charakter, den man heute noch erleben kann. Das 50 Meter breite und 750 Meter lange Gartenband verändert sich im Verlauf von Norden nach Süden. Während im Norden dunkle Farben und geometrisch angeordnete Formen dominieren, findet man in Richtung Süden eher hellere Farben und die Formen werden fließender. Aber auch wenn alles fließt, so gibt es immer eine gewisse Ordnung:

Im Norden der Grünanlage befand sich der so genannte "Schwarze Garten". Er war seitlich von Schwarzkiefern umgeben, unter denen sich große, dunkelgraue Felsblöcke zu Geröll und schließlich zu Flusskieseln und kleinen Rinnen veränderten. Aus diesen Rinnen wurde dann eine kleine "Piazza" mit Sitzquadern, welche zum Verweilen einluden. Ein Belvedere, also eine Art Aussichtsterrasse am südlichen Rand der Piazza, ermöglichte den Blick über den tieferliegenden Gartenteil, welcher sich direkt dahinter anschloss. Der Höhenunterschied wurde noch durch einen über drei Meter hohen Wasserfall betont, der die symbolische Quelle des Flusses darstellte.

Der Weg in den tieferliegenden Gartenteil führte entweder über die seitlichen Rampen oder über eine kleine "Grotte" unterhalb der Piazza. Ursprünglich bildete sich durch das Geräusch und die Lichtreflexionen des herabfallenden Wassers ein Kontrast von dunklem Innenraum und heller Piazza. Direkt an diese berauschende Erfahrung schloss sich eine enge Reihe aus 300 kubisch-geschnittenen Linden an, welche auf den mediterranen Garten in Form eines Patio hinführte.

Weiter in Richtung Süden konnten Besucherinnen und Besucher bereits die leisen Töne der Klangskulpturen im "Klanggarten" hören. Parallel zu diesem Klangerlebnis vollzog sich ein Wechsel vom Formschnitt der Linden zu einem natürlichen und wilden Wuchs, wodurch sich die Atmosphäre immer weiter lockerte. Innerhalb dieses "Gartenflusses" gab es besondere Orte, welche ähnlich zum südlichen Teil des Erdgartens, Ruhe und Entspannung boten. Äußerlich sahen alle diese Orte gleich aus, boten aber in ihrem Inneren verschiedenste Eigenschaften und Gestaltungselemente.

Ein Beispiel dafür ist das "Maschinenhaus", welche das dritte Leitthema der EXPO 2000, den Begriff "Technik", versuchte erlebbar zu machen. Nicht nur der Putz im Inneren, sondern auch die vier großen und freistehenden Steinblöcke, die im Raster angeordnet waren und handgearbeitete und maschinelle Bearbeitungsspuren aufwiesen, boten so komplett neue Sichtweisen und Denkansätze.

Ging man nun den Weg weiter, so gelangte man an eine wellenförmige Brunnenskulptur, die während der EXPO 2000 nachts angestrahlt worden war. Gleichzeitig bildete diese Skulptur den Beginn des "Bambusgartens", in welchem Wasser und Bambus ein harmonisches Ganzes ergaben. Hier lag auch das "Teehaus", welches mit seinem eingelassenem Tisch und den Holzlamellen noch einmal den fernöstlichen Charakter dieses Abschnittes unterstrich.

Auf den "Bambusgarten" folgte dann der "Flüstergarten". Dieses Meer aus Staudengewäcshen und Gräsern reichte bis an das "Sandhaus" im "Dünengarten". In diesem Abschnitt war ein Sandbereich mit künstlich nachempfundenen Wanderdünen entstanden, der von Birken und Strandhafer gerahmt wurde. In diesem wüstenhaften Flair bestach das "Sandhaus" noch mit der Anzahl seiner Wände. Während normale Häuser nur vier Wände besitzen, hatte dieses Bauwerk insgesamt acht Wände, von denen vier außen und vier im Inneren waren. Auf einer der Innenwände konnten aufmerksame Besucherinnen und Besucher den Schattenriss eines Nomaden erblicken und durch schmale Sehschlitze auf die Dünenlandschaft schauen. Zum Teil waren die Zugänge zum "Sandhaus" auch leicht erhöht, wie es in afrikanischen Häusern üblich ist, um das Eindringen von Sand ins Haus zu verhindern. Im Süden grenzte die Dünenlandschaft dann direkt an einen Flusslauf und damit an den EXPO-Park Süd.

Viele werden sich hier bestimmt noch an die "Himmelstürme" erinnern, von denen aus man einen erstaunlichen Blick über das Ostgelände hatte. Louafi griff im EXPO-Park Süd den Gegensatz von "künstlich" und "natürlich" auf: Neben dem künstlich angelegten See und den Himmelstürmen konnten die Besucherinnen und Besucher sich bei einem Spaziergang im natürlich(-wirkenden) Park entspannen.

 

Die Parks nach der EXPO 2000

Viele der Parkanlagen sind noch bis heute erhalten geblieben, jedoch haben sie sich im Laufe der Zeit stark verändert. Ihren Charme haben sie aber dennoch nicht verloren und tragen noch heute dazu bei, dass sich Menschen auf dem ehemaligen EXPO-Gelände entspannen.

Insbesondere im Sommer laden die großen Freiflächen dazu ein, mit dem Fahrrad eine Tour zu machen und die EXPO-Gefühle wiederaufleben zulassen.

Letzte Änderung am Mittwoch, 09 September 2020 18:34

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