Kunst auf der EXPO - In Between

Kunst und EXPO - Wie kann das zusammen passen? Mit dem Kunstprojekt IN BETWEEN auf der EXPO 2000 versuchte man Kunst auf eine Weltausstellung zu bringen.

Wie der Name IN BETWEEN bereits verrät, fanden die Projekte zwischen den Architekturen und zwischen den Events der EXPO 2000 statt. Insgesamt gab es 13 Kunstwerke zwischen Bühnen und Buden, zwischen Pavillons und Hallen und zwischen all den nationalen Selbstdarstellungen und Firmenpräsentationen. Das Ziel des Kunstprojekts war es einem Millionenpublikum einen Zugang zur Kunst zu eröffnen, ohne dabei wie reine Dekoration zu wirken. Gleichzeitig sollte auch dazu eingeladen werden offen über Kunst zu reden und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Das war bei der Größe von manchen der Kunstwerke unvermeidbar.

 

Pinke Gebäude und Blockköpfe

So kennen viele heute noch das "The pink building" der Niederländischen Künstlerin Lily van der Stokker. Pink building
Wie der Name schon sagt, fiel dem Beobachter sofort die Farbe des Gebäudes auf.
Viele Leute fragten sich sicherlich, ob es sich hier um eine überdimensionale Geschenkverpackung handelt. 
Die Künstlerin bot mit der durch leuchtenden Farben überzogene Halle den Anblick eines Fremdkörpers, dessen Funktion jedoch im Dunkeln blieb. Gleichzeitig wirkte der Kubus dekorativ und war bis zu seinem Abriss 2011 ein Wahrzeichen am südlichen Ende des Messegeländes.

Viele Besucher der EXPO 2000 erinnern sich bestimmt auch noch an die "Fahne am Hermesturm". Am höchsten Punkt der EXPO 2000 wurde eine farbenfrohe Flagge montiert, die die archaische Tradition Schweizer Fahnenschwinger aufnehmen sollte. Interessanterweise wurde die Flagge weder für eine Nation, noch für eine Firma geschwenkt. Der Sinn und Zweck der Rotation blieben dabei völlig offen.

Wer von all dem Nachdenken über Rotationen und dem Sinn der Flagge Lust auf Schokolade bekommen hatte, der konnte im "Chocolate Blockhead (Nose Bar outlet)" von Paul McCarthy eine Kleinigkeit probieren. Die Köstlichkeiten wurden dabei im Bauch einer Riesenskulptur hergestellt. Durch die Ausgabe am anderen Ende der Skulptur glich die Örtlichkeit der Endstufe eines Verdauungstraktes. Wie vieles, was mit Essen zu tun hat, war auch der "Chocolate Blockhead eine Frage des Geschmacks - und vielleicht auch des Mutes, denn durch die lange Nase erhielt der Besucher einen dezenten Hinweis, dass er sich der Skulptur in Erwartung eines harmlosen Vergnügens nähert, aber möglicherweise einem Täuschungsmanöver unterliegen könnte.

 

Zum Abtauchen

Für die etwas mutigeren Besucher gab es dann noch das "(8.) Weltwunder" der Gruppe Gelatin, welches auch "Themenpark für Eingeweihte" genannt worden ist. Nur durch spontanes Eintauchen ist es möglich zum Weltwunder zu gelangen, das in einer drei Meter unter der Erdoberfläche gelegene Kammer lag. Der Name des Objekts spielt ironisch auf den gleichsam olympischen Drang vieler Weltausstellungen an, immer technische Höchstleistungen ausstellen zu wollen. Im Gegensatz dazu steht die Unzugänglichkeit des "Weltwunder", dessen Erlebnis sich nur auf dem anarchistischsten aller Kommunikationswege, nämlich über Mundpropaganda mitteilen lässt. Bis heute wissen viele Leute nicht, was sich in der Kammer befand. Das mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass die Tauchgrube zeitweise geschlossen werden musste, um für den Ansturm der Tauchwilligen nachgerüstet zu werden.

 

Selbst heutzutage wird noch viel über Kunst diskutiert. Der Ansatz den IN BETWEEN verfolgte, war einzigartig und trug sicherlich dazu bei, dass Menschen sich Gedanken über die Bedeutung von Kunst gemacht haben. Wie das EXPO-Maskottchen Twipsy waren auch die Projekte zum Teil ihrer Zeit voraus und regen bestimmt heute noch zur Diskussion an.

Letzte Änderung am Samstag, 23 Mai 2020 22:21

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